Wieder was gelernt - Ein Service des Landesverbands Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern im DVF

  • 14.05.2026 Fotografisches Wissen

    Patentrezepte für gute Bilder?

    Eher ein Ideenlieferant.

    Wer aufgrund des Buchtitels meint, die universelle Anleitung für „gute (fotografische) Bilder“ zu erhalten, wird – spätestens nach der Hälfte des Buches – feststellen, dass es derartige Kochrezepte nicht gibt, ja nicht geben kann. Viel zu viele Faktoren spielen eine Rolle, wer, wann und weshalb eine Fotografie als gutes Bild bewertet.

    Der Autor versucht jedoch – und das kann durchaus hilfreich sein – anhand einiger Beispiele Vorgehensweisen und Strategien aufzuzeigen, die vor allem von der Betrachtung einzelner Bilder zur Sicht auf Serien und Portfolios führen. Dies kann und soll sicher auch ambitionierte Amateurfotografinnen und -fotografen unterstützen. Wenngleich sich nachhaltig der Eindruck aufdrängt, dass viele der Strategien doch eher auf Berufsfotografinnen und -fotografen, also solchen, die mit der Fotografie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und oft in die durch Kunden/Auftraggeber vorgegebene Rastern fotografisch umsetzen (müssen), ausgerichtet sind.

    Dieser Eindruck wird noch durch Interview-Aussagen unterstützt, in denen Anbieter von Portfolio-Reviews im Brustton der Überzeugung verkünden, solche Angebote selbstverständlich nur für Berufsfotografinnen und -fotografen bereitzustellen. Ob damit die fotografische Qualität insgesamt befördert wird? Darüber ließe sich trefflich diskutieren.

    Im zweiten Teil des Buches widmet sich der Autor der Teilnahme an Fotowettbewerben und versucht auch hier aufzuzeigen, welche grundsätzlichen Überlegungen für oder gegen eine Teilnahme jede Fotografin und jeder Fotograf für sich anstellen sollten. Auch hier liegt ein unübersehbarer Fokus darauf, wie durch Wettbewerbserfolge eine größere Sichtbarkeit erreicht werden kann. Letztlich also ein Mosaikstein für angestrebten Erfolg – egal ob künstlerisch oder kommerziell oder beides.

    Dass Fotografinnen und Fotografen durch die Teilnahme an Wettbewerben substantiiertes Feedback zu ihren eingereichten Arbeiten erhalten, bleibt wohl Wunschdenken. Besonders, wenn man die recht umfassend dargestellte (typische) Arbeits- und Vorgehensweise von Jurys betrachtet.

    Durch ein Interview des Autors mit Frau Henn, zum Erscheinungszeitpunkt Vizepäsidentin des Deutschen Verbands für Fotografie, versucht der Autor die Sicht auf Fotowettbewerbe der ambitionierten Amateur-Fotografinnen- und -Fotografen-Szene darzustellen. Hierbei allerdings offenbaren sich in einigen Facetten Unterschiede und Widersprüche zwischen den von Frau Henn im Idealzustand beschriebenen Wettbewerbsabläufen und den aktuell tatsächlich erfolgenden Umsetzungen im DVF.

    Insgesamt betrachtet ist die Publikation m.E. ein Nice-To-Have, keineswegs aber eine, die unbedingt in jedes Bücherregal einer Fotografin oder eines Fotografen gehört. Und zwar unabhängig davon, ob man (Frau) sich als Berufsfotograf(in)/Profi bezeichnet oder in dem von kommerziellen Zwängen befreiten Umfeld der ambitionierten Amateurfotografie unterwegs ist.