Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 04.10.2022 Wettbewerbs- und Ausstellungshinweise

    Die Vernissage der Ausstellung zum 10-jährigen Jubiläum der Fotogalerie Potsdam...

    findet am 13. Oktober 2022 um 19.00 Uhr statt! Wo? Am Neuen Garten 64, 14469 Potsdam



    Das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) stellt in einer Studie 2015 fest, dass Galerien im Schnitt etwa 23 Jahre alt sind. Eine erstaunliche Zahl, wenn man sich in Berlin und anderenorts in Deutschland umschaut und den stetigen von Wandel, Geschäftsaufgabe und Neugründung geprägten Markt beobachtet. Aber der subjektive Eindruck mag täuschen. Und die Bandbreite der Themen der befragten Galerien reichte von der Malerei über die Fotografie bis hin zur Performance. Hier dürfte es erhebliche Unterschiede geben, was die Lebensdauer angeht. Dies sagt zudem wenig über die künstlerische und gesellschaftliche Bedeutung einer Galerie aus.

    Etwas ganz besonderes sind Galerien, die ehrenamtlich betrieben werden, keinen kommerziellen Zwängen unterliegen und deren Ausstellungen ausschließlich der künstlerischen Mission der Betreiber:innen folgen. Die Landeshauptstadt Potsdam kann sich glücklich schätzen, mit der Fotogalerie Potsdam ein solches Kleinod zu besitzen, das allein vom freiwilligen Engagement eines kleinen Teams am laufen gehalten wird. Das Besondere an dieser Galerie ist das auf Dauer angelegte Commitment einer wunderbaren Gruppe von Akteuren, die Verantwortung tragen, organisieren und der verläßliche  Kreis an Unterstützer:innen und treuen Besucher:innen. Die Galerie Potsdam ist sowohl künstlerisch wie auch gesellschaftlich von allerhöchstem Wert. Wenn man all dies in Betracht zieht, dann verdienen die zehn Jahre Existenz dieser Galerie in vieler Hinsicht mehr Anerkennung und Wertschätzung als 20 Jahre kommerzieller Betrieb so mancher Fotogalerie mit großem Namen und Umsatz.

    Das 10-jährige Jubiläum der Fotogalerie Potsdam wird vom 13. Oktober 2022 an mit einer Ausstellung gefeiert, die einen Querschnitt aus zehn erfolgreichen Jahren Ausstellungsaktivität zeigt. Sie trägt den Titel „Spurensuche“. Die Vernissage am 13. Oktober um 19.00 Uhr bietet den perfekten Rahmen um Danke zu sagen. Wie geht das? Ganz einfach. Hinkommen und mitfeiern. Anlass zur Dankbarkeit haben wir alle. Die Stadt Potsdam, ihre Bürgerinnen und Bürger und die vielen Fotograf:innen, die in diesem Zeitraum Gelegenheit erhalten haben, ihre Bilder zu zeigen.

    Ein Blick in das Ausstellungsarchiv der Galerie fördert Schätze zutage, die  einem in der kommerziellen Galerienlandschaft nicht so häufig begegnen. Drei Namen haben mich persönlich besonderes beeindruckt. Ja es sind nicht nur die Werke dieser drei Künstlerin:innen sondern auch ihre umtriebigen und facettenreichen Persönlichkeiten, mit denen sie uns bereichern. Die anderen verdienten Mitstreiter:innen mögen mir diese Auswahl verzeihen. Sandra Bartocha, Ralph Gräf und Bernd Walz sind Persönlichkeiten, die das Gesicht der Fotogalerie Potsdam wesentlich mitgeprägt haben.

    Sandra Bartocha ist eine preisgekrönte, meinungsstarke und diskussionsfreudige Künstlerin, die mit ihrer Energie nicht nur in der Fotoszene Zündfunken versprüht, sondern sich vehement für Natur und Umwelt engagiert. Sie ist eine Kämpferin für gute Fotografie, die im Mutterland der künstlerischen Landschaftsfotografie im Vereinigten Königreich viel Anerkennung findet.  Ihre in Buchform veröffentliche Hommage an den Müritz-Nationalpark hat uns alle sehr beeindruckt. Zu ihrem neuen Werk ist auf ihrer Website zu lesen: „Rhythm Of Nature ist der neue opulente Bildband von Sandra Bartocha, der das Licht und das Leben feiert. Sie nimmt den Betrachter mit auf eine emotionale und atmosphärische Reise durch die Jahreszeiten in ihrem Heimatland Mecklenburg-Vorpommern.“ In der Fotogalerie Potsdam zeigte sie fast schon abstrakt gehaltene Naturaufnahmen mit traumhafter, malerischen Anmutung. Sie bildet nicht ab, sondern schafft neue poetische Bildwelten. Ihr neuer Bildband „Rhythm of Nature“ ist eine Augenweide.

    Wer auf die Website des Ralph Gräf schaut, muss sich fast zwangsläufig tief beeindruckt zeigen von der Fülle an Ausstellungen, Publikationen,  Anerkennungen, Platzierungen und Siegen bei zahlreichen Wettbewerben, die ihm in seiner Karriere als Fotograf  zuteil wurden. Sein gefeiertes Buch „Brandenburg unplugged“ ist derzeit ausverkauft. Der Tagesspiegel kommutierte in eine Überschrift treffend: „Die Schau „Brandenburg unplugged“ des Fotokünstlers Ralph Gräf dokumentiert Veränderungen und Vergängliches im Land. Die Bilder lassen Raum für Geschichten und Geschichte der Region“ Die in der Galerie Potsdam gezeigte Serie „Roadside America“ belegt wie genau er Veränderungen und Wandel, Verfall und Verlust registriert und atmosphärisch dicht in seinen Fotos festhält. Fast beiläufig endet die Einleitung zu dieser Serie mit dem Satz: „One photo of the series won the travel category of the Sony World Photography Award (SWPA) 2017 and the Germany National Award within the SWPA“.  Wer so geadelt wurde,  der kann gerne auf jedes weitere Lob verzichten.

    Bernd Walz ist Künstler und Wissenschaftler, der mit seinem Werk exemplarisch  für die Wiederannäherung von Kunst und Wissenschaft steht und der eindrücklich zeigt, was die Kunst mit nicht-begrifflichen Mitteln zur Beschreibung dessen leistet, was Wahrnehmung ausmacht. In seiner Fotografie, in seinen atmosphärischen Lichtbildern geht es um das sinnliche und geistige Wahrnehmen von Licht. In einem Lichtkunstfoto Foto des Bernd Walz kann man sich verlieren. Das zeigte seine Ausstellung in der Fotogalerie Potsdam sehr eindrücklich. Auf diesem Feld der Fotografie ist er ein Solitär, der sich Vergleichen entzieht. Es ist die Begriffstrias, Licht, Raum und Wahrnehmung, die das konzeptionelle Fundament seiner Lichtbilder formt. Licht ist der Raumgestalter schlechthin, ganz egal ob der Raum vorgetäuscht wird oder real existiert. Ohne Licht kein Raum, der für Menschen Relevanz hat. Licht gestaltet den Raum und bestimmt damit auch unsere Rezeption des Raums. Sein beeindruckendes Portfolio umfasst zudem sehr reduziert daherkommende Landschaftsfotografien, mit denen er auch international viel Anerkennung erworben hat. Er beherrscht den minimalistischen Ansatz in der Landschaftsfotografie in Perfektion.

    Denoch eines ist ganz klar. Das Team ist der Star. Das Ausstellungsprogramm und alle organisatorischen Notwendigkeiten im Verein werden im Team besprochen und entschieden.

    https://www.fotogalerie-potsdam.de/

    Christoph Linzbach