Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 27.09.2022 Hintergrundwissen

    Louise Fletcher ist gestorben und wer ein altes Pressefoto...

    …von der begnadeten Schauspielerin sucht, wird auf IMS Vintage Photos fündig.



    Das Pressefoto von Louise Fletcher aufgenommen von Jerry Watson im Auftrag der 1947 gegründeten Bildagentur Camera Press wird nicht erst anläßlich des Todes dieser wunderbaren Schauspielerin zum Verkauf angeboten. Wir erinnern uns an berühmte Schauspieler:innen gerne, wenn die Nachrichten über ihr Ableben berichten. Jahrzehnte alte Filmszenen, die sich in unserem Gedächtnis festgesetzt haben, tauchen vor dem geistigen Auge wieder auf. Wer sammelt schon Eintrittskarten fürs Kino von vor 30 oder 40 Jahren? Schon eher ein Filmplakat beispielsweise von „Einer flog übers Kuckucksnest“, dass irgendwann einmal auf dem Dachboden verschwand. Jetzt würde man gerne ein Memorabile in der Hand halten, die an die grandiose schauspielerische Leistung erinnert, die Louise Fletscher und Jack Nicholson in diesem Film abgeliefert haben.

    IMS Vintage Photos bietet das „Orignal-Pressefoto“ der Schauspielerin als das letzte an, das in der Agentur noch auf Lager liegt.  Das Foto ist 11,9 cm x 16,7 cm groß und wird für $ 29.90 USD verkauft. Ein Echtheitszertifikat wird mitgeliefert, kostet aber $ 12.00 USD extra.  Wer das Foto im Rahmen erwerben möchte, legt noch mal 55.00 USD drauf. Auf der Rückseite ist unter anderem zu lesen, dass das Foto aus dem Archiv der Tageszeitung Svenska Dagbladet stammt.

    IMS Vintage Photos wurde 1946 gegründet, verkauft aber erst seit 2013 original Vintage-Pressefotos. Der Anspruch der Agentur geht über den Verkauf von Vintage Aufnahmen hinaus. „Here at IMS Vintage Photos, we are strongly involved in preserving history and helping archives around the world in digitizing their physical images, photos, or prints!“

    Viel wert legt das Unternehmen auf Originalität. Es handelt sich nicht um Nachdrucke, das wird besonders betont. Und damit ist klar, es geht um Sammlerstücke sprich Einzelstücke, die durchweg zu Preisen angeboten werden, die für viele erschwinglich sind. Diese stammen aus Archiven von Zeitungen und Zeitschriften. Ein greifbares Stück Zeit-, Film- und Fotografiegeschichte.

    „All our press photos are LIMITED ARCHIVE ORIGINALS - they are the actual prints that were used by the newspapers, they are not reprints or digital prints produced by us. All the prints are at least 30 years old and up to 100 years old. What you will buy from us has a true historical value and authenticity. These items are true artifacts and collectibles, a real unique piece of history. All these old photos have a story to tell and come from reliable sources. We get our prints directly from the press archives where they have been stored for up to a hundred years. These prints have never been accessible to the public before. SEE the BACKSIDE OF the PHOTO - many times the image for sale will present stamps, dates, and other publication details - these marks attest to and increase the value of the press photos. Since the photos are old press photographs they may have scratches, lines, or other wears of time, which just underlines the authenticity and age of the photos. In the past, the photos were often parts of a series or were mass-produced by the archives. Nowadays, their number is decimated - many were destroyed by time, use, or natural disasters. Few were preserved and are nowadays carefully stored in our archives.“

    Warum sollte man ein Foto der mit 88 Jahren verstorbenen Louise Fletcher kaufen? Ganz klar das ist Ansichtssache. Auf der Liste der größten Filmschurken des American Film Institute nimmt die von Fletcher gespielte Oberschwester Mildred Ratched Platz 5 ein. Sie herrscht in „Einer flog übers Kuckucksnest“ über eine Abteilung in der geschlossenen Psychiatrie. Keiner der Insassen auch nicht R.P. McMurphy gespielt von Jack Nicholson wird von ihrem Terror verschont. Freundlich schaut sie zu Beginn drein die böse Schwester und gut begründet sind ihre Bösartigkeiten. In ihrer unterkühlten Art ist sie fest davon überzeugt, den Patienten Gutes zu tun. Einmal läßt sie sogar die Patienten demokratisch über das Fernsehprogramm abstimmen, findet dann aber wieder einen gut begründeten Dreh, um das Ergebnis zu kippen. Als die Lage eskaliert, stellt sie sich so die FAZ „mit eiserner Hand und grimmigem Blick gegen eine Gruppe aufgewühlter und aufgewiegelter Patienten“. Und das zu einer Zeit, in der Teile der Gesellschaft in den USA von antiautoritärem Gedankengut beseelt waren.

    Sie ist die perfekte Funktionsträgerin des Systems. Nicht totale Willkür bestimmt ihr Handeln. Sie unterdrückt die Insassen subtil und immer so, dass ihr Vorgehen jeder Überprüfung standhalten würde. Die FAZ schreibt im Nachruf: „Louise Fletcher erwies sich als eine brillante Wahl auch deswegen, weil sie nicht die geringsten Kompromisse suchte: Mildred Ratched konnte in einer prononciert antiautoritären Ära auf keine Sympathien beim Publikum hoffen. Das sprach sie sogar eigens an, als sie schließlich mit einem Oscar ausgezeichnet wurde: „Ich glaube, Sie haben mich alle gehasst.“ Die Einschätzung war wohl richtig.  Das Böse geht oft nicht auf das Konto von Sadisten oder  Psychopathen zurück sondern auf gutmeinende Menschen, die einem System dienen. Geschlossene Systeme wie die Kirchen schaffen Gelegenheiten für Missbrauch, wie wir nicht nur in Deutschland schmerzlich erfahren. Das systemische Böse hat viele Gesichter. Louise Fletcher hat uns eines davon meisterhaft präsentiert.

    Christoph Linzbach

    https://imsvintagephotos.com/products/louise-fletcher-vintage-photograph-1105394

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