Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 25.07.2022 Fotografische Grundlagen , Hintergrundwissen

    Die Stabi Unter den Linden…

    …ein fotografisches Highlight der Sonderklasse




    Die  Staatsbibliothek zu Berlin im Jahr 1914 eröffnet galt als die größte wissenschaftliche Universalbibliothek der Welt. Der Baustil war auf Repräsentation ausgerichtet. Der Kuppelsaal hatte die Form eines Oktogons 34 m hoch und 43 m im Durchmesser. Größer als der Berliner Dom. Geplant im Stil wilhelminischer Architektur. Das Magazin hatte eine Kapazität von 3 Mio Bänden. Dennoch hagelte es Kritik. Die Lichtverhältnisse im Kuppelsaal wurden bemängelt und die Handbibliothek mit 14.000 Bänden als zu klein kritisiert. Zu wenig Funktionalität. Es soll zugig gewesen sein, kalt und die Heizkosten zu hoch.

    1990 wurde beschlossen, die Bücherbestände der selbstständigen wissenschaftlichen Universalbibliotheken in Ost- und West-Berlin zusammenzuführen. Das Architekturbüro HG Merz gewann im Jahr 2000 den Architekturwettbewerb. Der Entwurf sah einen klaren, kubischen Baukörper inmitten der historischen Bausubstanz vor. Der Allgemeine Lesesaal ist heute das Herzstück der Stabi Unter den Linden und ganz klar der Blickfang für alle Besucher. Der  Lichtkörper 36 m hoch und 35 m breit getragen von Bücherkörpern bieten Fotograf:innen vielfältige Perspektiven und genügend Raum, sich auszutoben. 1000 qm Grundfläche.

    Das Motto des Architekturbüros lautete „Geist braucht Luft“. Davon profitierten 20 Fotograf:innen des Landesverbandes Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern des DVF unter Führung des Vorsitzenden Dr. Uwe Hantke auf einer exklusiven vierstündigen Fototour am 24.07.2022 außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Alle öffentlich zugänglichen Teile des Gebäudes standen den Fotograf:innen zur individuellen sprich freien Verfügung. Es gab kaum einen Platz   im Gebäude, der nicht zeitweise von einem Stativ belagert wurde. Ein vierstündiger Kampf zwischen dem Wunsch, möglichst viele Perspektiven abzulichten und der Rücksichtnahme auf die Fotofreund:innen. Gewonnen haben am Ende alle!

    Zugänglich ist der Allgemeine Lesesaal durch den Brunnenhof.  Dann folgt das Vestibül mit der mächtigen Treppe, die in das Hauptgeschoss führt. Aus wandhohen Fenstern geht der Blick hinaus in einen der vier umgebenden Lichthöfe. Die vom neu gestalteten Foyer breit aufsteigende Holztreppe führt in den Allgemeinen Lesesaal. Ein befreiender, erhebender Aufstieg. Die Farben rot und orange dominieren. Foyer, Treppe und Lesesaal waren die ersten fotografisches Highlights, die die Mitglieder des LV 1 ausgiebig auskosteten.

    Die untere Saalhälfte des Lesesaals wird durch über drei Etagen gestapelte Regalwände geprägt. Schmale Treppen führen auf die Galerien. Die obere Saalhälfte wird von einer weißen, durchscheinenden Fassade mit einer abschließenden Lichtdecke umrahmt. Was für eine Licht! Zwei aus fotografischer Sicht höchst unterschiedliche Bereiche, die im spannenden Kontrast zueinander stehen.

    Aber es gab noch so viel mehr zu sehen und zu fotografieren.     Im Altbau stehen sechs Sonderlesesäle zur Verfügung. Vornehm und gediegen wirkend. Zwei mit eisernen Galerien versehen. Einer mit Kassettendecks. Im Handschriftenlesesaal hat man die wuchtigen Tische von 1914 erhalten. Besonders fotogene Details finden sich im Kartenlesesaal mit prächtigen Atlanten und aufwendig gestalteten und kunsthandwerklich ganz wunderbar ausgeführten Globen. Wahre Schätze!

    Hinzu kommen aus Fotografensicht beeindruckende Durchblicke mit Sichtbeziehungen verschiedener Art und Güte, lange Gänge und Treppen, die das Herz aller Teilnehmer:innen an diesem fotografischen Abenteuer erfreuten.

    Christoph Linzbach