Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 28.04.2022 Hintergrundwissen

    Kunst und Politik

    Einige Gedanken zu ihren Verhältnis in schwierigen Zeiten






    Wer sich in der Kunstgeschichte nur ein wenig umschaut, der sieht sofort, das Kunst und Politik seit jeher untrennbar miteinander verbunden sind. Das Verhältnis zwischen Kunst und Politik ist einem kontinuierlichem Wandel unterzogen und wird ständig neu austariert. Es ist vielfältiger und komplizierter als man vermutet. Und es hat viel mit Geld zu tun.

    Aus der Antike kennen wir künstlerische Darstellungen, die den persönlichen oder politischen Feind aufs Korn nehmen. Kunst wird im Auftrag erstellt; immer schon. Kunst formuliert Widerstand. 3Sat zeigt uns fast jeden Abend den Widerstand der Kunstszene in der Ukraine gegen die russische Invasion. Kunst am Bau kennen alle. Sie wird von der Politik in Auftrag gegeben. Monumentale Architektur wollte und will Kunst sein und zugleich einen politischen Anspruch erheben. Sei es die Machtdemonstration oder was auch immer. Heute kaufen Banken und Sammler gerne Kunst, die sich gesellschaftskritisch gibt. Mit dem Kauf wird nicht nur ein kulturpolitischer Anspruch formuliert. Die Bank pflegt ihr Image. Eigenschaften und Konnotationen, die der Kunst zugerechnet werden, sollen auf den Besitzer übergehen. In diesem Sinn wird Kunst von der Politik wie auch von vielen anderen Akteuren immer schon gerne als eine Welt der besonderen, der attraktiven Werte und Eigenschaften angesehen, deren man sich bedient bzw. die man sich mit dem Kauf aneignen oder einverleiben kann.

    Kunst kann nie unpolitisch sein; wenn sie kein dezidiert politisches Statement enthält und sich bewußt unpolitisch gibt, steckt darin immer auch eine Aussage zu den existierenden gesellschaftlichen Umständen. Etwas nicht zu kommentieren ist auch ein Kommentar. Schaut man sich nur für ein Jahr die Ausstellungsübersichten von Museen und die Theaterprogramme in Deutschland an, dann ist eines sofort klar:  Ein Großteil der Ausstellungen und Inszenierungen hat einen aktuellen gesellschaftlichen Bezug. Es gehört zum Wesenskern der Kunst, politisch zu sein. Sich unpolitisch gebende  Kunst ist im Moment nicht angesagt; gut so aus meiner Sicht.

    Die Frage, ob Kunst politisch sein darf, geht also völlig an der Realität vorbei. Wichtig ist folgende Frage: Kann sie ihre politische Funktion auch frei ausüben? Kunstschaffende unterliegen immer ökonomischen Zwängen. Das auszusprechen, gehört zur Ehrlichkeit dazu. Ob Ensemblemitglied, freier Fotograf oder im künstlerischen Widerstand gegen einen Diktator begriffen; Künstler brauchen Einkommen. Und es sind immer die anderen, die über das Einkommen der Künstler entscheiden. Der Kulturszene in Deutschland werden Gelder aufgrund demokratischer Mehrheiten zugewiesen. Wer in der Ukraine als künstlerisch ambitionierter Fotograf unterwegs ist, braucht Unterstützung. Er oder sie mag eigene Ressourcen einsetzen. Aber irgendwann ist Schluss. Wer für diese Künstler spendet, der verhält sich politisch zur Kunst. Wir die Spender und Unterstützer sind damit auch in das Spannungsverhältnis von Kunst und Politik fest eingebunden. Nicht nur die große Politik, der kleine Gemeinderat sondern wir alle sind gefordert, das freie Denken und Handeln der Kunst zu fördern. Geld ist dabei ein wichtiges Mittel der Wahl, so merkwürdig das auch klingen mag.

    Chistoph Linzbach

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