Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 16.02.2022 Hintergrundwissen

    Photographie und Impressionismus im Barberini

    Eine neue Kunst




    „Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht aller gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.” Das Urteil des französische Dichter Charles Baudelaire (1821-1867) über die Fotografie.

    Es hat bislang nicht an Ausstellungen und Veröffentlichungen gemangelt, die die  Auswirkungen des Mediums Fotografie auf die „klassischen Kunstgattungen“  analysiert haben. Umgekehrt ist der Einfluss der Malerei auf die Fotografie nicht zu leugnen.

    Das Germanische Nationalmuseum erzählte 2018 anhand von rund 240 Exponaten die wechselvolle Geschichte von Malerei und Fotografie im 19. Jahrhundert. Es  ging um Sorgen vor Konkurrenz, Freude am Experiment, Stolz und Dünkel. Das Verhältnis von Wahrheit und Wirklichkeit im Bild wurde verhandelt. Werke u.a. von Carl Spitzweg, Emil Jakob Schindler, Lovis Corinth oder Max Slevogt wurden Fotografien Alois Löcherer, Henry Peach Robinson, Johannes Nöhring, Martin Gerlach, Josef Maria Eder und Heinrich Kühn gegenüber gestellt. Die Potentiale beider Bildmedien wurden im Dialog veranschaulicht.

    Das Verhältnis der Malerei zur konkurrierenden Fotografie war zwiespältig, vielfältig und wechselhaft. Das zeigte auch die Ausstellung"Wunsch & Wirklichkeit" (15.10.17 bis 18.2.2018) im Clemens Sels Museums in Neuss anhand von 100 Werken und rund 80 Fotografien bekannter Künstler.

    Das Städel Museum zeigte vom 27. Juni bis 23. September 2012 die Ausstellung „Malerei in Fotografie. Strategien der Aneignung“. Im Mittelpunkt der umfassenden Schau standen der Einfluss der Malerei auf die Bildproduktion der zeitgenössischen Fotokunst. Rund  60 Arbeiten, darunter zentrale Werke von László Moholy-Nagy, Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans, Thomas Ruff, Jeff Wall und Amelie von Wulffen waren zu bewundern.

    Aktuell preist  das Museum Barberini in Potsdam eine weitere sehenswerte Ausstellung mit dem Titel „Photographie und Impressionismus Eine neue Kunst“,  die sowohl sowohl die Fotografie wie auch die Malerei in den Blick nimmt, mit folgenden Worten an:

    „Die Ausstellung untersucht vom 12. Februar bis zum 8. Mai 2022 das neue Medium der Photographie auf seinem Weg zu einer autonomen Kunstform und beleuchtet hierbei ihr komplexes Verhältnis zur impressionistischen Malerei.“

    Es werden in den Räumen der Ausstellung 150 Exponate von 70 Fotografen gezeigt und nur wenige Gemälde. Damit ist klar, dass es vor allem um eine neue Kunst geht sprich die Fotografie. Die umfangreiche Sammlung impressionistischer Werke des Museums legte wohl nahe, die neue Kunst im Lichte des Impressionismus zu betrachten. Die Ausstellung zur neuen Kunst und die impressionistischen Werke sind jedoch getrennt in verschiedenen Gebäudeteilen untergebracht; mit Ausnahme einiger weniger unmittelbarer Gegenüberstellungen. Darauf wurde wohl bewußt verzichtet.  Das mag man bedauern und als Verzicht auf das interpretatorische Potential des direkten Vergleichs beklagen. Andererseits eröffnet es der Darstellung der neuen Kunst sprich der Entwicklung des künstlerischen Anspruchs der Fotografie Dimensionen, die über einen engen Impressionismusbezug hinausgehen.

    Die Ausstellung gefällt und die Zeitfenster für den Besuch wurden bereits in den ersten Tagen gut genutzt. 16 Euro für den Eintritt ist für viele Kunstliebhaber eine heftige Ansage. Allerdings bekommt man dafür beides sprich die neue Kunst und die immer noch frischen ganz wunderbaren Impressionisten. 32 Euro kostet der Katalog. Für Fotografieinteressierte ein Schnäppchen, weil er nicht nur mit künstlerisch wertvollen Aufnahmen aus dem 19. Jahrhundert aufwartet sondern mit einer Unmenge an spannenden Informationen glänzt und überzeugt.

    Christoph Linzbach

    https://www.museum-barberini.de/de/ausstellungen/4779/eine-neue-kunst-photographie-und-impressionismus