Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 17.01.2022 Hintergrundwissen

    NFTs sind nicht schwierig zu verstehen…..

    ... oder doch?



    Über NFTs wird seit 2 Jahren immer mehr geredet und geschrieben. Es wird von Revolution gesprochen. Der Hype ist unübersehbar. Auch der Kunstmarkt soll von dem Verkauf dieser digitalen Besitzurkunden profitieren. Notorisch unterbezahlte Fotografen kommen ins Nachdenken. Bislang verkaufen sie ihre Drucke also ein physisches Objekt. Jetzt soll es Kunden geben, die eine digitale Besitzurkunde kaufen, ohne das das Objekt den Ort oder Besitzer wechselt? Warum eigentlich nicht. Das Kreuzfahrtschiff stelle ich mir auch nicht ins Wohnzimmer, wenn ich einen  oder viele Anteilscheine erwerbe. Auf dem Kunstmarkt sind die Preise eh nicht an einen realen Wert gebunden. Man zahlt, was man zahlen möchte. Ob man ein Kunstobjekt erwirbt oder ein rein digitales Kunstgut macht in dieser Hinsicht keinen Unterschied.

    Was NFTs für die Berufsfotografen oder künstlerisch ambitionierte Fotografinnen bedeuten, die von ihrer Kunst leben wollen und müssen, steht noch nicht abschließend fest. Wird sich die aktuelle  Goldgräberstimmung für wenige, viele oder gar alle Fotografen in einer Verbesserung ihrer Einkommenssituation übersetzen? Einige profitieren bereits.

    Non Fungible Tokens sind Zertifikate über Eigentum,  Echtheit und  Einzigartigkeit beispielsweise an und von Gegenständen, in unserem Fall Fotografien. Für das digitale Werk wird ein einzigartiges digitales Replikat erstellt. Das NFT ist mehr als nur eine einfachen Bilddatei. Ein  NFT ist in einem öffentlichen Register mit samt der Urheber- und Eigentumsrechte gespeichert und damit verbrieft. Der digitalen Inhalt sprich das NFT kann einem eindeutigen Besitzer oder einer eindeutigen Besitzerin zugeordnet werden. In der Praxis macht  der Künstler also sein Foto, generiert mit Hilfe der Technologie der Blockchain (Datenbank) ein fälschungssicheres NFT und bietet das digitale Original  auf einem Marktplatz oder direkt dem Sammler an.

    Das NFT kann nicht gegen ein anderes gleichwertiges  ersetzt werden.  Non-fungible steht für nicht austauschbar.  Es ist über die Datenbank generiert, einmalig und weder austauschbar noch replizierbar. NFTs sind handelbar. Zahlungsmittel sind Kryptowährungen. Der Käufer erhält Eigentum an einem digitalen Gut. Wie werden NFTs verifiziert sprich ihre Echtheit und Unveränderbarkeit abgesichert? Dies geschieht über Einträge der Historie des Eigentums, der Käufe und des Handels der NFTs  in der Datenbank, die niemand bearbeiten kann und die jeder einsehen kann.

    Ganz ohne Kosten geht es für den Künstler zu Beginn nicht ab.  Er muss den Platz für den Verkauf eines NFTs, das für sein Kunstwerk in der realen Welt steht, auf der Blockchain mit Kryptowährung kaufen. Euro oder Dollar geht nicht. Der Prozess der Erstellung eines NFT wird Minting genannt. Das Prägen eines NFT bedeutet, dass das digitale Gut auf der Blockchain gelistet wird und für jeden potentiellen Käufer sichtbar, auf seine Einzigartigkeit und Echtheit hin überprüfbar ist. Der Fotograf profitiert prozentual bei jedem Wiederverkauf der NFT. Eine zusätzlicher Anreiz für den Sammler, der den Fotografen auch beim Verkauf an einen anderen Sammler unterstützt.

    Möglicherweise revolutionieren NFTs die Art des Sammelns von Kunst. Der Eigentümer der NFT kann sein Sammlung im Internet in virtuellen Galerien zeigen. Kleine Anleger erhalten über den Erwerb von Anteilen Zugang zum Markt. Infolgedessen soll Kunst erschwinglicher werden. Wer auf einem Marktplatz ein NFT anbietet, hat gesteigerte Chancen Kuratoren und Galeristen auf sich aufmerksam zu machen. Auch der  Verkauf eines tokenisierten Werkes direkt vom Künstler an denSammler ohne Zwischenhändler wird möglich. Der Künstler kann sein Werk tokenisiert direkt anbieten.

    Das Bild zeigt den elf Monate alten Sohn der Amerikanerin Laney Griner aufgenommen am Ponte Verde Beach  in Forida. Sie gab dem Foto den Titel „Success Kid“. Das Foto ging im Internet viral. Sie machte das Foto zum NFT und lud es auf der Verkaufsplattform Foundation hoch. Am Ende der Auktion wurde das Foto für 25.000 Euro verkauft. Die Erfolgsgeschichten von NFTs aus dem Bereich der Fotografie häufen sich. Es müssen nicht immer gleich Rekordwerte erzielt werden, wie in dem folgenden Fall.

    Mike Winckelmann hat im März 2021 seine „Everdays: The First 5000 Days“ als NFT auf einer Auktion bei Christies für 69.000.000 Dollar verkauft. Ja wir reden von fast 70 Millionen Greenbacks. Das teuerste digitale Kunstwerk bislang. Nicht schlecht für einen Künstler, dessen Drucke für 100 Dollar zum Verkauf standen. Mittlerweile zeigt sich, das NFTs keine vorübergehende Erscheinung sind und beginnen, Relevanz in der Fotoszene zu entwickeln.

    Associated Press (AP) started am 31 Januar einen Marktplatz für NFTs, der von Xoa einen Blockchainbetreiber aufgestellt wird. NFT Sammler können dort Eigentum an ausgewählten fotojournalistischen Produkten der Agentur erwerben. Nach und nach werden die Objekte in einem  Katalog eingestellt. Jedes NFT enthält Daten zu den Bildern wie Ort, Zeitpunkt, verwendete Ausrüstung und technische Informationen, die die Echtheit verifizieren. So können sich Sammler Eigentum an Fotos sichern, auf denen herausragende Momente der Zeitgeschichte festgehalten sind. Ohne Aussicht auf Gewinn, wäre die AP diesen Schritt wohl nicht gegangen.

    Natürlich lassen sich mit Hilfe von Tokens Eigentumsrechte an allen möglichen Gütern, Gegenständen und Lizensen erwerben. Der Umsatz mit dem Verkauf von NFTs machte in 2021 runde 25 Milliarden US-Dollar aus. 2020 waren es gerade mal 100 Millionen US-Dollar. Studien des Weltwirtschaftsforums prognostizieren, dass bis zum Jahr 2029 bereits 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukt tokenisiert sein werden. Damit ist die Frage nach den ökonomischen Aussichten, die für künstlerisch ambitionierte Fotografen mit den NFTs verbunden sind, natürlich nicht beantwortet. Der Markt ist noch jung und die Haken und Ösen des Verkaufs digitaler Besitzurkunden sind noch nicht so transparent wie bei klassischen Produkten. Aber die Perspektive ist da.

    Wer Lust auf das Tokenisieren seiner oder ihrer Kunst bekommen hat, anbei einige Anleitungen und Hinweise.

    https://token-information.com/de/wie-man-aus-kunst-ein-nft-erstellt-eine-anleitung/

    https://artfuturum.com/tokenisierung-physischer-kunstwerke/

    https://petapixel.com/2021/06/02/how-to-mint-an-nft-the-photographers-guide/

    https://www.dpreview.com/files/p/articles/6596696247/AP_NFTs_Blockchain.jpeg

    https://www.dpreview.com/articles/8170416871/nfts-what-they-are-and-how-they-will-impact-photography

    https://finexity.com/personal/marketplace