Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 04.08.2021 Hintergrundwissen

    Das Beste was der lateinamerikanische Fotojournalismus zu bieten hat - in Bildern

    Im Bronx Documentary Center




    Das 4. lateinamerikanische Fotofestival im Bronx Documentary Center in New York zeigte bis zum 1. August Langzeitprojekte, die sich mit sozialen Fragen in der Region beschäftigen. Dabei ging es um organisierte Kriminalität, Unsicherheit in der Lebensmittelversorgung und sogenanntes social cleansing sprich das Entfernen oder Beseitigen ganzer Bevölkerungsgruppen aus einem Gebiet. Zu dem Festival gehörten eine Vielzahl von kommunalen Aktivitäten. Das Festival spiegelt  ein Jahr voller Schwierigkeiten in einer Region aus der Sicht von Fotografinnen und Fotografen wider, die dort leben. Es zeigt aber auch die Stärke, Widerstandskraft und Fähigkeit zur Innovation der lateinamerikanischen Bevölkerung. Anders als vorherige Festivals wurden im 4. Anlauf die Fotos in den umliegenden Gemeinden großformatig außerhalb der Räume des Dokumenationszentraum in Melrose in der Bronx präsentiert. Die Fotografen stammen aus Kolumbien, Mexiko, Argentinien, Chile, Venezuela, Peru und El Salvador.

    Ein Foto von Luis Antonio Rojas zeigt Jungen im Alter von 13 oder 14 Jahren bei der Übung mit der Waffe, die an einem Training der lokalen Polizei in Ayahualtempa in Mexiko teilnehmen. Einer der Jungen Alex hat wegen der Gewalt der Drogenkartelle seine Schule verlassen müssen und schließt sich mit seinem Vater den Polizeitruppen an.

    Während der aktuellen Proteste in Chile erlitten 460 Personen Augenverletzungen. 34 verloren ihr Augenlicht durch Plastikgeschosse oder Tränengas, das von den chilenischen Spezialkräften eingesetzt wurde. Der Fotograf  Cristobal Olivanes hat die Verletzungen festgehalten.

    Als die Pandemie das peruanische Amazonasgebiet erreichte, griffen die Shipibo-Konibo, zwei eng verwandte indigene Ethnien im Osten Perus, zu traditionellen Heilmethoden. Florence Goupil fotografierte einen Mann, der unter Matico Blätter liegt, eine Heilpflanze die in Südamerika in erster Linie zur Wundheilung verwendet wird.

    Der Gründer des Bronx Documentary Centers Michael Kamber lebt in den 80er Jahren in der Bronx. Er fotografierte ein Jahrzehnt Kriege und Konflikte für die New York Times. Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan 2011 kaufte er ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude und verwandelte es in einen Ort der Bildung und Dokumentation für die Bronx. Das Center liegt in Melrose, einer der am schnellsten wachsenden Nachbarschaften in NY, in der Menschen leben, die ihren Ursprung in Afrika, der Karibik sowie Süd- und Zentralamerika und vor allem Mexiko haben. Es werden Filme und  Ausstellungen gezeigt, die einen Bezug zu den lokalen Bewohnern haben. Ebenso werden kostenlos Bildungsprogramm für Schüler angeboten wie auch Unterstützungsangebote für Fotografen aus der Bronx. Gelehrt wird Fotojournalismus, Film und dokumentarische Arbeiten. Das Center unterstützt die lokale Bevölkerung, ihre Geschichte zu bewahren und zu erzählen.

    Christoph Linzbach

    https://www.bronxdoc.org/exhibits/latin-american-foto-festival/detail

    https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2021/jul/15/the-best-of-latin-american-photojournalism-in-pictures