Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 12.07.2021 Hintergrundwissen

    Kuba fotografisch erfassen

    Eine Herausforderung



    Die aktuelle noch bis zum 22. August laufende Ausstellung von Manfred Kriegelstein spiegelt einen sehr eigenständigen Blick auf Kuba wider. Dieser Blick hebt sich sehr angenehm von jedweder Verklärung und Romantisierung ab.

    Es gelingt ihm, seine fotografische Handschrift in der Abbildung von Motiven zu realisieren, die bereits millionenfach abgelichtet wurden und eine standardisierte Kubakulisse in unserer Köpfen geschaffen haben, gegen die schwer anzukommen ist.

    Dieser Vorbelastung stellen sich seine Bilder erfolgreich entgegen. Damit gibt er dem Land und den Menschen, deren materielle Lebensqualität weit von unserer entfernt ist, Würde. Er nimmt das Land und die Menschen ernst. Er nimmt eine Perspektive auf Augenhöhe ein.

    Ohne jedweden Paternalismus, der auf das vermeintlich Wohl der anderen gerichtet ist,  schaut er auf Menschen, Straßen, Hauseingänge, Plätze und vieles mehr.

    Dieser im gewissen Sinne neutrale nur von der Umsetzung der eigenen fotografischen Handschrift geprägte Zugang verhindert erfolgreich jedwede unangemessene Vereinnahmung der Fotografierten.

    Statt Klischees lichtet er reales Leben ab. Er  bewahrt dabei durchgängig seine individuelle fotografische Deutungshoheit. Seine fotografische Anstrengung würde von den Betrachteten, da bin ich ganz sicher, als ehrliche, wahrhaftige und damit auch als emphatische Leistung empfunden.

    Vielleicht würden sie sagen: "Da hat sich jemand Mühe mit unserem Leben gegeben. Der hat sogar Dinge gesehen, die uns noch nicht bewußt geworden sind."

    Dem Betrachter der Bilder ermöglicht er eine künstlerische Erfahrung. Seine Bilder erzeugen eine Resonanz beim Rezipienten. Er zieht diesen tief in ein ästhetischer Erleben hinein. Die Fotos sind es wert, erlebt und erfahren zu werden.

    Den Menschen vor Ort, wenn sie denn die Möglichkeit hätten, seine Bilder zu betrachten, gibt er die Möglichkeit,  sich mit ihrem eigenen Leben ein Stück weit zu verständigen. Sie würden etwas über ihr eigenes Leben erfahren, das ihnen nur dieser Fotograf mit seiner Handschrift sagen kann. Etwas das über den Blick in den eigenen Spiegel hinausreicht.

    Der europäische Betrachter hat die Chance auf eine immense nachhaltige künstlerische Erfahrung. Die Bilder sagen etwas über Aspekte unserer Welt aus und machen uns diese verständlich. Sie konterkarieren das vorgeprägte Kubabild und sind genau in diesem Sinne kritisch und irritierend, sprich sie zwingen zum Nachdenken. Auch das macht Kunst aus.

    Mehr kann man als Fotograf auf Kuba nicht erreichen.

    Uwe Hantke hatte bereits alle Mitglieder des DVF auf die Ausstellung im Forum unseres Landesverbandes hingewiesen. Zu sehen ist sie vom 11. Juni bis 22. August 2021 in der Galerie des Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, 10318 Berlin (Am S-Bahnhof Karlshorst | S3). Öffnungszeiten Mo. bis Sa. 10.00 bis 18.00 Uhr (sonn- und feiertags geschlossen).

    Christoph Linzbach

    https://www.berlin.de/land/kalender/index.php?detail=140474&ls=30&c=22&date_start=03.01.2020